Silencing Stadion
Audio Paper / Acoustic Research
2020 March 12
Das Audio Paper Silencing Stadion befasst sich mit den Schweigeprotesten im deutschen Vereinsfußball der 1. bis 3. Liga. Bei ausgewählten Fußballspielen verzichten große Teile der organisierten Fanszenen auf den sonstigen lautstarken Support durch Fangesänge, Sprechchöre und Instrumente, sind aber körperlich im Stadion anwesend. Ihr Protest richtet sich gegen die kommerzielle Ausbeutung des Sports sowie gegen die Beschneidung von Fan- und Bürger*innenrechten im von ihnen so genannten „modernen Fußball“. Die Proteste werfen Fragen nach Macht und deren Umkehrung im Spannungsfeld der Akteur*innen Fußballfans, Vereine, Verbände, Medien (v.a. TV), Fußballspieler*innen und TV-Zuschauer*innen auf.
Für Silencing Stadion suchte ich schweigend protestierende Fankurven in deutschen Fußballstadien auf, um dort Tonaufnahmen zu machen. Das Audio Paper setzt sich aus diesen sowie aus TV-Mitschnitten der Übertragung solcher „Protest-Spiele“ zusammen. Eine wissenschaftliche Recherche über Fankulturen im Fußball begleitete den Arbeitsprozess.
Silencing Stadion entsprang der Auseinandersetzung mit dem seit 2016 öffentlich diskutierten akademischen Format „Audio Paper“. Entlang dieses in Entwicklung befndlichen Genres entspinnt sich ein Diskurs über die Eigenschaften von Wissen, dessen Verhältnis zur (geschriebenen und gesprochenen) Sprache sowie die Funktion von Klang bei der Wissensgenese. Formell ist Silencing Stadion der Versuch, die verwendete Sprache im Audio Paper auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren und der (nicht-sprachlichen) Klangebene eine möglichst hohe Wirkmacht zu geben.
Ende 2020 erschien eine Rückverwandlung des Audio Papers in einen fiktiven Text im zweikommasieben-Magazin.